Zeltpaläste
30 Meter hoch erhebt sich das Chapiteau; so hoch wie ein neunstöckiges Haus und höher als jedes Zirkuszelt, das bisher in Europa stand. Über zweitausend Besucher finden darin Platz. Umgeben ist dieses Hauptzelt von mehreren kleineren Zeltpalästen. Insgesamt präsentieren sie sich ebenso farbenprächtig wie die Show, auch sie entführen den Besucher auf den Kontinent des Staunens. Angelehnt an das Vorbild nordafrikanischer Berberzelte, wollen sie schon mit ihrer äußeren Gestalt auf das wunderbare Erlebnis einstimmen.
Die Idee für dieses phantastische Zeltensemble stammt von André Heller, die aufwendige Herstellung hat CANOBBIO in Italien übernommen. Seine Firmengeschichte reicht bis ins Jahr 1926 zurück, als Federico CANOBBIO damit begann, Wetterplanen für Heuwagen herzustellen. Seit den 50er Jahren produzierte CANOBBIO dann Zirkuszelte und hat sich unterdessen als der weltweit renommierteste Zirkuszeltbauer etablieren können.
Mit der Entwicklung der Zeltpaläste für AFRIKA! AFRIKA! begann CANOBBIO im Frühjahr 2005. Statik und Konstruktion wurden mit modernster Computertechnik errechnet und mit dem TÜV abgestimmt. Auch der Zuschnitt der Planen erfolgte computergesteuert. Die Fertigung der 17 Tonnen schweren Stahlkonstruktion für das Hauptzelt belegte über Monate eine riesige Montagehalle. Das Aufstellen der Zelte ist selbst für den international erfahrenen Zeltbaumeister Jan van Bergen eine wiederkehrende Herausforderung. „Nur mit modernster Technik“, sagt er, „lässt sich diese Präzisionsarbeit zuverlässig meistern“. An jedem der vier Masten des Hauptzeltes befinden sich elektrische Winden, die die beinahe zwölf Tonnen schweren Planen gleichmäßig heraufziehen.
In den Zelten selbst sind die Besucher umgeben von phantastischer Ornamentik: Teppichböden im Berberstil und stilisierte afrikanische Motive verschmelzen mit den Bildern der Manege zu einem afrikanischen Gesamterlebnis, das sich auch in den angrenzenden kleineren Zeltpalästen fortsetzt. So wie der Barbereich sind das Foyer, das Veranstaltungszelt und die Kunstausstellung durch überdachte souk-ähnliche Gänge mit dem Chapiteau verbunden. In den Pausen können die Gäste durch diese einmalige Zeltlandschaft wandern, eintauchen in fremde Welten. Auch durch einen Souk mit dem Ensemble der Zelte verbunden ist eine Ausstellung moderner afrikanischer Kunst. Die ausstellenden Künstler kommen aus den unterschiedlichsten afrikanischen Ländern, aus Kamerun, dem Senegal, Nigeria, Ghana, Algerien und Benin. Sie alle kennen die teils frei gewählte, teils durch Migration erzwungene Reise zwischen den Welten, sie alle sind heute Vermittler der Kulturen. Ihre Arbeiten werden geprägt von den eigenen Erfahrungen und weisen Merkmale kultureller Hybridität auf. Dabei stellt sich die Reise symbolisch immer wieder anhand von Fortbewegungsmitteln dar. Jede Reise ist, wie schon Paul Virilio einmal sagte, ein kleiner Tod, häufig die Flucht ins Exil und die Heimatlosigkeit, sehr oft aber auch ein Tod, dem in der Kunst der Afrikaner das blühende Leben folgt
(Leuchterdesign by Bettina Gruber und David Smithson).

